Verwacklungen der Kamera können dazu führen, dass sich die Videobetrachter fühlen, als wären sie gerade aus einer Achterbahn gestiegen, ohne den eigentlichen Nervenkitzel der Abfahrten und Loopings. Bei der Fotografie führen Verwacklungen zu einer Unschärfe im Bild. Die Bildstabilisierung – ob als Vibrations-Reduzierung (VR), optische Stabilisierung (OS) oder Verwacklungsreduzierung (SR) bezeichnet – kann helfen, das Verwackeln von langen Objektiven, Erschütterungen der Hand oder sogar Bewegungen während der Aufnahme zu bekämpfen.

Die Bildstabilisierung ist bei spiegellosen Kameras und kleineren Action-Kameras zu einem Hauptmerkmal geworden. DSLRs, mit Ausnahme von Pentax, haben normalerweise keine integrierten Stabilisierungssysteme, sondern bevorzugen eine Objektiv-basierte Stabilisierung.

Warum brauchst du eine Bildstabilisierung?

Die Bildstabilisierung bekämpft die Bewegung der Kamera, um schärfere Fotos und stabilere Videos zu erzeugen. Eine Kamera mit Bildstabilisierung kann mit viel kürzeren Verschlusszeiten als eine Kamera ohne Bildstabilisierung fotografieren. Auf diese Weise wird auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein sauberes, schärferes Bild erzeugt als mit der Alternative, den ISO-Wert zu erhöhen, was zu Rauschen führt. Die Kehrwertregel besagt, dass ein Foto mit einem 100-mm-Objektiv nicht mit einer kürzeren Verschlusszeit als 1/100 Sekunde aufgenommen werden sollte – aber mit der Stabilisierung kannst du diese Verschlusszeit noch weiter verringern. Das erlaubt es dir, bei schwacher Beleuchtung zu fotografieren oder lange Brennweiten ohne Stativ zu verwenden.

Die Stabilisierung hilft auch auf kleinere, aber wichtige Weise. Sie stabilisiert deinen Blick durch den Sucher, noch bevor du ein Foto machst, und hilft dir dabei, dein Motiv genau dort im Bild zu halten, wo du es haben willst. Dies ist besonders nützlich, wenn du mit langen Teleobjektiven arbeitest, die sonst überall hin „schwingen “ können. Auf die gleiche Weise hilft die Stabilisierung auch dem Autofokus-System, indem sie das Motiv unter den gleichen Fokussierpunkten stabil hält, wodurch du eine bessere Chance auf eine hohe Schärfe hast.

Aber die Besonderheiten der Stabilisierung deiner Kamera können schwer zu verstehen sein. Was ist der Unterschied zwischen optischer und digitaler Stabilisierung? Ist die Kamerabildstabilisierung im Gehäuse besser als die Objektivstabilisierung? Was meinen Kamerahersteller, wenn sie mit „5-Stufen-Stabilisierung“ werben? Hier findest du alles, was du wissen musst, um diese und andere Fragen zu beantworten.



Was ist die optische Bildstabilisierung?

Die optische Bildstabilisierung ist die Art der Stabilisierung, die während der Aufnahme des Fotos oder Videos und nicht danach durch Teile im Inneren des Objektivs oder der Kamera erfolgt. Diese Art der Stabilisierung hat eine mechanische Komponente, da sich die physischen Teile im Inneren eines Objektivs oder der Kamera bewegen, um die Verwacklung durch Hände oder andere Einflüsse auszugleichen.

Es gibt zwei verschiedene Arten der optischen Bildstabilisierung. Traditionell war sie in das Objektiv eingebaut, und eine solche linsenbasierte Stabilisierung ist auch heute noch üblich. Ein Gyroskop liest die Kamerabewegung ab, während sich bestimmte Elemente innerhalb des Objektivs als Reaktion darauf bewegen können, was zu einem stabilen Bild führt.

Die optische Stabilisierung kann auch im Inneren des Kameragehäuses selbst untergebracht werden. Bei der Sensorverschiebungsstabilisierung wird der Sensor nicht mit einem Linsenelement, sondern mit einem Gyroskop bewegt. Während viele spiegellose Kameras eine In-Körper-Stabilisierung verwenden, wurde bei DSLRs traditionell nur die Objektivstabilisierung verwendet, da diese es ermöglicht, den Stabilisierungseffekt durch den optischen Sucher zu sehen. Da spiegelfreie Kameras für die Live-Ansicht geeignet sind, können sie eine Vorschau der Stabilisierung anzeigen, unabhängig davon, ob sie objektiv- oder sensorbasiert ist.

Schließlich können bei einigen Systemen die In-Körper- und die Objektivstabilisierung kombiniert werden, was zu noch mehr Stabilisierungskraft führt. Bei langen Objektiven funktioniert ein Objektivsystem jedoch oft besser als ein körpereigenes System, da es für die Brennweite des Objektivs optimiert werden kann.

Es ist recht einfach herauszufinden, ob eine Kamera über eine Gehäusestabilisierung verfügt, wie ein Blick in die Spezifikationen. Sie kann als IBIS, für „in-body image stabilization“, abgekürzt werden).

Bei Objektiven ist es offensichtlicher, ob eine Stabilisierung eingebaut ist oder nicht, wenn man das Durcheinander von Buchstaben und Zahlen im Namen entziffern kann. Jeder Hersteller hat einen anderen Namen für die Bildstabilisierung, aber wenn du eine dieser Bezeichnungen im Objektivnamen siehst, ist es stabilisiert:

Canon und Olympus – IS
Nikon – VR
Sony – OSS
Fujifilm, Panasonic, Leica – OIS
Sigma – OS
Tamron – VC

Optische oder digitale Stabilisierung, was ist besser?

Im Gegensatz zur optischen Stabilisierung funktioniert die digitale Stabilisierung nur bei Video. Die digitale Stabilisierung hilft zum Beispiel nicht bei der Aufnahme von Fotos bei schwachem Licht. Das macht die optische Stabilisierung zum offensichtlichen Gewinner für die Fotografie.

Die optische Stabilisierung ist jedoch auch bei Video in den meisten Fällen noch immer die beste Lösung. Mit einem optischen Stabilisierungssystem büßt du keine Videoauflösung ein. Stell dir die optische Stabilisierung so vor, dass ein Mini-Gimbal in die Kamera eingebaut ist. Ein Gimbal ist dank seines viel größeren Bewegungsumfangs flüssiger, da man nichts zusätzlich zu tragen hat, kann die optische Stabilisierung recht effektiv sein.

Obwohl die Bildstabilisierung bei den meisten Aufnahmen von Vorteil ist, sollte diese Funktion manchmal ausgeschaltet werden. Wenn die Kamera z.B. auf einem Stativ montiert ist, kann das Stabilisierungssystem tatsächlich gegen sich selbst arbeiten.

In den meisten Fällen ist die Stabilisierung ein großes Plus. Der optische Typ kann jedoch das Kameragehäuse oder das Objektiv etwas größer machen als ähnliche Objektive ohne Stabilisierung. In den meisten Fällen überwiegt der Nutzen der Stabilisierung die zusätzliche Größe, insbesondere bei langen Objektiven und bei Arbeiten bei schwachem Licht.

Bei Kameras, die für eine optische Stabilisierung zu klein sind, ist eine digitale Stabilisierung notwendig. Während ein durchschnittliches digitales System nichts ist, worüber man sich aufregen sollte, sind GoPro’s HyperSmooth und DJI’s Rock Steady Beispiele für digitale Stabilisierung, die richtig gemacht wurden und einen großen Unterschied für Video machen.



Warum wird die Stabilisierung in „Stopps“ bewertet?

Bildstabilisierungssysteme sind in der Regel entweder drei- oder fünfachsige Systeme, was sich auf die Anzahl der Richtungen bezieht, in die sich das System bewegen kann, um gegen das Verwackeln zu wirken. Ein Drei-Achsen-System reduziert die Kamerabewegung auf drei verschiedene Arten, während ein Fünf-Achsen-System die maximal mögliche Stabilisierung bietet, indem es über Neigung, Gierung, Drehung sowie vertikale und horizontale Verschiebung arbeitet.

Aber neben der Anzahl der verschiedenen Bewegungsrichtungen, die das System korrigiert, wird die Bildstabilisierung auch durch Stopps bewertet. Diese Angabe sagt dir, um wie viel du die Verschlusszeit reduzieren kannst, um mit diesem Stabilisierungssystem noch eine scharfe Aufnahme zu erhalten. Ein Stopp bezieht sich in der Fotografie einfach auf die Verdoppelung oder Halbierung der Lichtmenge im Bild. Bei der Bildstabilisierung bezieht sich jeder Stopp darauf, wie oft du die Verschlusszeit halbieren und trotzdem aus der Hand fotografieren kannst.

Ein Stabilisierungssystem mit 5 Blendenstufen kann die Verschlusszeit um das Fünffache verkürzen und dennoch eine scharfe Aufnahme ohne Stativ erzielen. Wenn du zum Beispiel mit einem 125mm-Objektiv arbeitest, ist die längste Verschlusszeit, die du normalerweise verwenden kannst, 1/125. Mit einem Stabilisierungssystem mit fünf Blendenstufen kannst du jedoch 1/125 in fünf Mal halbieren – was bedeutet, dass du theoretisch bis auf eine Viertelsekunde herunter fotografieren kannst.

Die Bewertung basiert auf dem Best-Case-Szenario – eine 1/4-Sekunde kann also immer noch ein bisschen weit hergeholt sein. Aber diese Zahlen helfen dir, verschiedene stabilisierte Kameras und Objektive zu vergleichen. Ein Objektiv, das mit 3 Blendenstufen bewertet ist, kann nicht ganz so gut abschneiden wie ein Objektiv mit 5 Blendenstufen.